Forscher sprechen über den Unterschied in den Interaktionen.
Es ist ein Mythos, dass es weibliche Freundschaft angeblich nicht gibt / Foto pixabay.com
Freundschaften zwischen Männern und Frauen entstehen auf unterschiedlichen Grundlagen, und die Wissenschaft beschäftigt sich zunehmend mit der Frage, warum Männerfreundschaften tendenziell weniger tief und emotional sind.
Wie Ronald E. Riggio, PhD, für Psychology Today schreibt, führen Psychologen gleich mehrere Gründe für diesen Unterschied an. So bauen Männer Freundschaften eher auf einer „instrumentellen“ Basis auf, d. h. um gemeinsame Aktivitäten oder Interessen herum. Bei Frauen liegt der Schlüssel eher in emotionaler Verbundenheit und Nähe als in einem bestimmten gemeinsamen Anliegen.
Eine weitere Herausforderung ist die Aufrechterhaltung des Kontakts. Frauen neigen dazu, regelmäßig anzurufen, SMS zu schreiben und Zeit in Beziehungen zu investieren. Männer hingegen bemühen sich weitaus weniger darum und betrachten Freunde auch dann noch als „nah“, wenn sie schon seit Jahren nicht mehr mit ihnen gesprochen haben. Eines der Experimente zeigte eine paradoxe Sition: Einige Männer bezeichneten Freunde, die zu diesem Zeitpunkt bereits tot waren, als „sehr nah“, ohne dass sie es wussten.
Verschiedene Forschungsarbeiten weisen auch auf die Angst der Männer vor einer zu großen emotionalen Nähe zu anderen Männern hin. Einige der Befragten gaben zu, dass sie eine Beurteilung oder Fehlinterpretation solcher Beziehungen durch andere befürchten. Dies, so die Forscher, ist es, was das gesellschaftliche Stigma gegen männliche Intimität aufrechterhält.
Aufgrund der emotionalen Distanz sind Männer tendenziell weniger in der Lage, soziale Unterstützung zu leisten. Während ein offener Umgang mit Gefühlen in Frauenfreundschaften normal ist, sind solche Äußerungen unter Männern viel seltener, einfach aufgrund mangelnder Erfahrung.
Freundschaften werden auch durch soziale Rollen beeinflusst. Die traditionelle Sichtweise von Männern als Haupternährer der Familie lässt ihnen oft weniger Zeit und Ressourcen, um Freundschaften aufzubauen und zu pflegen.
Gleichzeitig weisen die Forscher auf die positiven Aspekte von Männerfreundschaften hin. Solche Beziehungen sind in der Regel weniger zerbrechlich, weil Männer Konflikte leichter überstehen und ihren Groll schneller loslassen. Ein wichtiger Teil der männlichen Kommunikation ist außerdem Selbstironie und freundliches Geplänkel, die die Beziehung nicht zerstören, sondern stärken.
Erinnern Sie sich, dass es früheren Wissenschaftlern zum ersten Mal gelang, den Unterschied zwischen romantischer und platonischer Umarmung zu bestimmen.

